SB S. 295 f.

Das kunstseidene Mädchen (Irmgard Keun, 1932)

S. 296 Aufgabe 1a: Erfahrungen des “kunstseidenen Mädchens” Doris in Berlin

Schauplätze und Atmosphäre

  • Kufürstendamm — gehobene Klasse, schicke Kleidung, Leute, die viel auf sich halten aber nicht die Reichsten
  • U-Bahn — eng, “muffig”, gequetscht, aber “interessant”
  • Aufregend > “Berlin verursacht mir Müdigkeit” (Z. 24), weil kein Geld, schwierige Arbeitssuche
  • “Resi” (Café) — Musik, Telefone (modern), rot, schillernd, “ganz enorme Kunst”
  • “Josty” (Café, Treffpunkt von Kunstschaffenden und Intellektuellen) am Potsdamer Platz — edel, Marmor, Zeitung lesende
  • Kinos — Musik, die Zeit Überdauerndes

Berlin und die Schauplätze werden vorwiegend beschrieben als etwas, aus Sicht von Doris, sehr neues, modernes und auch etwas überforderndes. Die Sinne werden überfordert. Zudem entsteht ein Kontrast aus diesen Orten (Cafés etc.), die teils sehr edel sind, und ihrem Leben, in dem sie sich durchschlagen muss, nichts zu Essen kaufen kann. Trotzdem gefällt ihr Berlin, weil es so neu und aufregend ist.

Beziehungen zu anderen Personen

  • Tilli: Sie scheint eine andere junge Frau zu sein, mit der Doris sich ein Zimmer teilt
  • Therese: dieser schuldet Doris etwas
  • Franz: Ein Arbeiter in einer Garage (KFZ-Werkstatt?), er lädt sie in ein Café ein
  • jemand, der sie im Auto mitgenommen hat: offensichtlich hat sie ihn zumindest geküsst (vielfach nach ihrer Beschreibung)

Insgesamt scheint sie noch keine richtigen Freunde in Berlin gefunden zu haben. Sie schlägt sich durch, wohl auch mit Hilfe von Männern, die sie einladen und mitnehmen und ihr evtl. Geld geben, wofür sie sich aber teils verkaufen muss. Es gibt noch Till, von welcher man aber nicht viel mehr erfährt, was zumindest für den Textauszug auf eine nicht allzu enge Beziehung schließen lässt, wenngleich sie doch zusammen wohnen.

Lebensgefühl

Trotz ihrer Probleme fühlt Doris sich in Berlin wohl. Alles ist neu und aufregend und bunt. “[E]s ist mir ein Frühling. Berlin ist mir ein Ostern, das auf Weihnachten fällt, wo alles voll schillerndem Betrieb ist.” Doris beschreibt alles als “schillernd”, will ein “Glanz” werden, “Gefunkel” ist um sie. Viel Helligkeit, viel Kunst, viele verschiedene Leute, die sie teilweise auch bewundert, viel Musik. Berlin wird beschrieben als ein Ort, der die Sinne durchaus auch überfordert.

SB. S. 299

Interview mit mir selbst (Mascha Kaléko, 1945)

Aufgabe 1: lyrisches Ich und dessen bisheriges Leben

  • sie hat Eltern mit Migrationshintergrund
  • schwierige Kindheit für Mutter und Kind
  • kam aufgrund von “Begabung” auf höhere Schule, was sie allerdings als nicht sonderlich sinnvoll darstellt
  • jetzt:
    • arbeitet in einem schlecht bezahlten Beruf im Büro
    • schreibt Gedichte, was ihr Vater als überflüssig befindet

Ihr Leben wird als nicht total glücklich, aber nicht drastisch schlecht dargestellt. Allerdings lässt die Art der Beschreibung es ziemlich sinnlos erscheinen. Allerdings hat sie lange an Frieden geglaubt und auch die Lehre über “Die Arier” wohl den Lehrern nicht abgenommen. Zusammen mit dem meistgenutzten Wort als Kind “Nein” ergibt das eine gewisse “Rebellion” oder zumindest starkes eigenes Denken. Ihr richtiges Leben aber sind die Gedichte und ihre Fantasie (Länder, an die sie sich wünscht).

Aufgabe 2: Form und Inhalt sowie Sprache und Inhalt

  • pointiert / lustig (“Ich aber leider trat nur ins Büro”, V. 20) im Kontrast zum Inhalt
  • verständliche, sachliche Sprache — passt zum “einfachen Leben”
  • Abwechslung im Reimschema — Bezug auf unstetes Leben (?)
  • Enjambements, teils auch Zeilenstil
  • insgesamt Lebensbeschreibung einerseits und Kreativität andererseits
  • Wechsel des Tempus: Strophe 1-5: Vergangenheit, Rückblick; Strophe 6-7: Gegenwart, jetziges Leben
  • Zeugma in V. 19 f.: Mischung aus wörtlichem und übertragenem Sinn (“ins Leben treten” — “trat nur ins Büro”)

Aufgabe 3

Beschreibung des Bildes

  • Ausschnitt eines Autos, in dem eine Frau sitzt
  • Frau:
    • Schal und eng anliegende graue Kappe mit Kinnverschluss (Fliegerkappe, wie früher beim Auto fahren getragen wurde)
    • Schal nimmt den ganzen Rest vom sichtbaren Teil des Autos ein
    • Handschuhe, eine Hand am Lenkrad
    • Mimik: roter Lippenstift, starke geschminkt, starke gezogene Linien (Wimpern und Augenbrauen), kühler Blick, etwas gesenkte Augenlider, schaut etwas abwertend / abschätzig

Bezug zum Gedicht

  • ebenfalls eine Frau, aber diese scheint das Privileg zu haben, Reisen zu können, muss nicht im Büro arbeiten. Sie ist “am Steuer”.
  • keine Männer im Bild — in Kalékos Leben viele Männer
  • selbstbewusst, gutes Leben, während Kaléko den Mangel in ihrem Leben beschreibt (kein Geld, keine tatsächlichen Reisen)
  • emanzipierte Weiblichkeit

Vergleich zu heute

  • europaweit zunehmend rechte Gruppierungen, deren Frauenbild retro ist
  • Frauen kämpfen weiter für Gleichberechtigung, die bis jetzt noch nicht erreicht ist